Bundeswehr: 2 Soldaten aus aktivem Dienst suspendiert.

Bloged in Nachrichten von admin Montag Oktober 30, 2006

Der Skandal um die Leichenschändung durch deutsche Bundeswehrsoldaten nahe Kabul zieht weiter seine Kreise. Vom Dienst  freigestellt wurden zwei Angehörige der Bundeswehr, denen bereits 2003 Totenschändungen in Afghanistan vorgeworfen wurden. Dies sei eine Konsequenz aus den durch die Bild-Zeitung aufgedeckten Vorfällen, erklärte Verteidigungsminister Franz Josef Jung am Freitag. Unterdessen veröffentlichte die Bild-Zeitung weitere brisante Fotoreihen. Politiker und Experten rechnen damit, dass in den kommenden Tagen noch mehr makabere Aufnahmen auftauchen würden.

Offiziere sollen alles gewusst haben
Verschärft wurde die Situation, als ein ehemaliger Mitarbeiter der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) in einem Pressebericht nahe legte, dass die Bundeswehr-Führung in Afghanistan über Vorfälle bereits seit langem gewusst und nichts dagegen unternommen habe. Laut Leipziger Volkszeitung würden Offiziere der Bundeswehr in den vergangenen Jahren „mehrfach“ von den Partnerorganisationen des afghanischen Wiederaufbaus über „Exzesse in einem Knochenfeld“ unter der Beteiligung deutscher und anderer Friedenstruppensoldaten informiert. Der frühere GTZ-Mitarbeiter war im Raum Kundus tätig, dem Standort der deutschen Sicherheitstruppen und mehrerer Hilfsorganisationen, die mit dem Wiederaufbau beschäftigt sind.

Ein Strukturproblem der Bundeswehr?
Der Wandel der Bundeswehr von der Verteidigungs- zur Einsatzarmee sei einer der Gründe  für derartige „Entgleisungen“, so die Stellungnahme des Arbeitskreises kritischer Soldaten in Darmstadt. Der Einsatz in gewaltbereiter Umgebung, losgelöst aus den privaten sozialen Bindungen, eingespannt in Gruppendynamik und -zwänge und Korpsgeist, seien strukturelle Probleme für alle Soldaten. “Wir müssen endlich aufhören, von Einzelfällen zu sprechen”, forderte der Vorsitzende des Arbeitskreises Helmut Prieß in der Donnerstagsausgabe der Berliner Zeitung. Die Auseinandersetzung mit den Gründen der „erschreckenden Vorkommnisse“ solle nun Psychologen und Medizinern übertragen werden, meinte Prieß.

Führungskräfte versagt
Der Kölner Psychologe Christian Lüdke warf den Bundeswehr-Führungskräften, versagt zu haben. Hätten sie eine „ausreichende professionelle Distanz zu ihren Mitarbeitern“ gehabt, hätten sie Schändungen unterbunden, sagte Lüdke der hannoverschen Neuen Presse. Auch er geht nicht von einem Einzelfall aus: “Es wird sicher vergleichbare Aktionen gegeben haben. Aber von denen erfahren wir wegen der Abgeschlossenheit der Bundeswehr in der Regel nichts”, sagte er.

 

Quellen:
„Nach Bundeswehr-Skandalfotos Forderung nach Ursachenforschung“
 http://de.today.reuters.com/News/newsArticle.aspx?type=domesticNews&storyID=2006-10-26T054545Z_01_KOE620664_RTRDEOC_0_DEUTSCHLAND-BUNDESWEHR-AFGHANISTAN-FOTOS.xml

„LVZ: Regionale Bundeswehrführung in Afghanistan ist vermutlich mehrfach erfolglos gebeten worden, Knochen-Exzesse in Afghanistan abzustellen“ http://www.presseportal.de/story.htx?nr=892981&firmaid=6351
„Die moralischen und rechtlichen “Entgleisungen” einzelner Soldaten haben strukturelle Ursachen!“
http://www.darmstaedter-signal.de/aktuell/20061025-Entgleisungen.php

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