Endemol will Niere im TV verlosen
Eine Todgeweihte und drei Schwerkranke, die im Rahmen einer Spielshow um die Spenderorgane wetteifern. Dem Sieger winkt die Lebensrettung, den unglücklichen Verlierern bleibt wenig Hoffnung auf baldige Genesung. Was wie die Ausgangslage einer finsteren Utopie klingt, könnte am kommenden Freitag in den Niederlanden zur Fernseh-Realität werden.
Der öffentlich-rechtliche Jugendsender BNN will am Abend des 1. Juni die von der Produktionsfirma Endemol ins Leben gerufene Sendung „Die große Spendershow“ ausstrahlen und ist damit europaweit auf heftige Reaktionen gestoßen. Endemol stand in der Vergangenheit bereits mehrfach im Kreuzfeuer der Medienkritik, unter anderem durch die Entwicklung des ebenso umstrittenen wie erfolgreichen Formats Big Brother. Nun plant das Unternehmen offenbar einen Tabubruch bislang ungeahnter Qualität.
In der Show soll die sterbenskranke 37jährige Lisa darüber befinden, welcher Kandidat nach ihrem Tode ihre Spendernieren erhalten wird. Das Fernsehpublikum soll dabei per SMS-Voting in die Entscheidungsfindung eingebunden werden und Lisa so eine Empfehlung aussprechen. Hintergrund der Sendung, so ein Sprecher des Senders, sei der Tod des BNN-Mitbegründers de Graaf im Jahre 2002, nachdem dieser mehrere Jahre vergebens auf ein Spenderorgan gewartet habe. Laurens Drillich, Chef des Jugendkanals, verteidigte in der Tageszeitung „Algemeen Dagblad“ das Format als Infotainment, das bewusst provozieren und so die größere Bereitschaft zur Organspende anregen wolle.
In der niederländischen Öffentlichkeit hat die Ankündigung der „Spendershow“ indes Entsetzen ausgelöst und ist zum Gegenstand höchsten politischen Interesses geworden. Vertreter der Christdemokraten im niederländischen Parlament wollen das Thema auf die Tagesordnung der Zweiten Kammer setzen und treten energisch für ein Verbot der Ausstrahlung ein. Der medienpolitische Experte der CDA Atsma nannte das Projekt „moralisch falsch und verwerflich“ und forderte die Kultur- und Gesundheitsminister zur Absetzung der Sendung auf. Mitglieder des sozialdemokratischen Juniorpartners in der großen Koalition bezeichneten die „Spendershow“ ebenfalls als „verwerflich“, lehnten ein Verbot in Anbetracht des guten Rufs des ausstrahlenden Senders und dessen in der Vergangenheit gezeigter Verantwortung bezüglich sensibler Themen indes ab.
Die Transplantationsstiftung der Niederlande unterstützt das Anliegen der Christdemokraten nachdrücklich. Man freue sich zwar über das Interesse an Organspenden, lehne die Form der Sendung, die „in Richtung Organhandel“ gehe, allerdings vehement ab, so ein Sprecher gegenüber dem „Algemeen Dagblad“
Quellen:
Tagesschau online
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6833032_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html
Süddeutsche Zeitung online
http://www.sueddeutsche.de/,ra4l2/kultur/artikel/54/115938/
Die Welt online
http://www.welt.de/vermischtes/article899026/Frau_entscheidet_im_TV_ueber_Nierenspende.html