Funktionierende Netzwerke und Gemeinschaftssinn sind gefragt
Und erneut geht ein Aufschrei durch deutsche Stuben. Ein Kind namens Kevin wird tot im Kühlschrank seines drogenabhängigen Vaters aufgefunden. Dies ist längst kein seltener Einzelfall mehr. Schätzungen ergaben, dass in Deutschland an die 100.000 Fälle von Kindesvernachlässigung und -missbrauch bekannt sind. Die berühmte Dunkelziffer lässt diese Zahl noch weiter ansteigen. Eine wirkliche Erfassung der Fälle von Kindeswohlgefährdung gibt es bei uns nicht, da, anders als in anderen Ländern, eine nationale Statistik hierfür fehlt.
Lediglich kleinere Studien und Projekte für Kinder und Jugendliche sind vorhanden. Unicef zufolge steht Kindesvernachlässigung an erster Stelle von Kindeswohlgefährdung, dicht gefolgt von Kindesgewalt und -missbrauch. Studienergebnisse gehen momentan davon aus, dass solche Fälle ohne Änderung der Ursachen in Zukunft weiter zunehmen werden. Doch worin liegen mögliche Ursachen von Kindeswohlgefährdung? Untersuchungen deckten auf, dass es sowohl in armen Elternhäusern zu Wohlgefährdung von Kindern kommt, als auch in den reicheren Schichten. Somit sind die bekannten Fälle kein typischer Fall der ärmeren Bevölkerungsschichten Deutschland.
Die ermittelten Ursachen sind vielfältig und reichen von ‘finanziellen Schwierigkeiten aufgrund langanhaltender Arbeitslosigkeit’ über ‘Betäubung schlechten Gewissens bei zu wenig Zeit für die Kinder’, bis hin zur ‘elterlichen Überforderung mit dem neuzeitlichen Syndrom alles allein regeln zu müssen’. Mit jedem neu auftauchendem Fall von Kindeswohlgefährdung in den Medien taucht die Frage auf: Wie lässt sich dem erfolgreich begegnen?
Im politischen Diskurs fordert man schärfere Gesetze und spricht sich für eine Früherkennungsuntersuchung aus. Dies erfährt Kritik vom Kinderschutzbund und der Deutschen Gesellschaft für Kindesmissbrauch. Beide äussern, dass die Grundlage dem zu begegnen durchaus vorhanden sei, es jedoch in der Handhabung mangelt. Derweil spricht die Bundeskanzlerin Angela Merkel von Wachheit erzeugen in der Bevölkerung gegenüber gefährdeten Kindern. Ein Frühwarnsystem nebst bedürfnisorientierter Betreuung von gefährdeten Familien soll helfen. Doch reicht dies allein aus? Experten, wie Beate Galm von der IKK spricht sich darüber hinaus für Kindernetzwerke und Nachbarschaftshilfen aus. Man müsse wieder näheren Kontakt zu seinem unmittelbaren Umfeld aufnehmen, um Fälle von Vernachlässigung frühzeitig erkennen und handeln zu können. Getreu der Devise: gemeinsam da sein anstelle dem Druck alles allein handhaben zu müssen.
Quellen:
Tagesschau.de: Niemand kennt das wahre Ausmaß, url: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6030766_TYP6_THE_NAV_REF2_BAB,00.htm
Stern.de: (K)eine Frage des Geldes, url: http://www.stern.de/politik/panorama/549844.html?nv=ct_mt
Bundesministerium für Justiz (BMJ): Gewaltfreie Erziehung - eine Bilanz nach Einführung des Rechts auf gewaltfreie Erziehung (2003), url: http://www.bmj.bund.de/enid/Ratgeber/Gewaltfreie_Erziehung_m8.html