USA: Das Ansehen des US-Kongresses schwindet
Amerikaner sind stolz auf „ihre“ Demokratie – sie halten sie für die beste Staatsform in dieser Welt.
Der ganze Stolz amerikanischer Demokratie ist dabei der Kongress (Senat und Repräsentantenhaus): Hier sitzen die Amerikaner, zu denen man aufschauen kann, weil sie zwar Karriere gemacht haben, im Idealfall aber immer noch der „gute Junge“ und natürlich das gute Mädchen von nebenan sind, die sich stets selbstlos für das Wohl des von Gott gesegneten Amerikas einsetzen, und natürlich auch das zu sein haben was eben den vorbildlichen Amerikaner ausmacht: Fromm, sauber und stolz auf ihr Land.
So kommt es nahezu einer Katastrophe gleich, wenn das Bild dieser Menschen getrübt wird, und das auf eine Weise, bei der man nicht böswilliges Tun von außen unterstellen kann, sondern mit Entsetzen feststellen muss, dass es eben die Lichtgestalten selbst sind, die ihre Aufgaben im Kongress mehr oder wenig widerwillig abhaken, weil sie im übrigen damit beschäftigt sind, sich auf schaurigste Weise selbst demontieren, indem sie sich gegenseitig mit Denunziationen und Verleumdungen aus der untersten Tiefe der Jauchegrube überschütten. „Lobbyist“ und „Bushfreund“, ebenso neu im Vokabular wie geschmacklos, mag da noch dem Wortschatz politischer Eiferer zuzuordnen sein . Am liebsten aber nutzt man den religiösen oder sexuellen Hintergrund:
In einem Land, in dem das Sonnen „oben ohne“ stenger geahndet wir, als einen Schüler wegen mangelnder Gottesfürchtigkeit sorgfältig zu verprügeln und ein Unsinn wie der Kreativismus immer kurz davor steht, als Naturwissenschaft in amerikanischen Grundschulen einzuziehen, erhofft sich so mancher Kandidat bei den anstehenden Wahlen zum Kongress im am 7.November, seinen Gegner ins Aus zu manövrieren, indem er ihn vor allem sexueller Vergehen oder falschen Glaubens beschuldigt
Ob diese Handlungsweise wirklich einen positiven Einfluss auf den eigenen Wahlerfolg hat, mag dahingestellt sein– für das Ansehen beider Häuser ist es katastrophal, wenn der Amerikaner – sonst groß im Verdrängen - zu seinen gewählten Repräsentanten nicht mehr aufschauen kann. Und dies ist zugleich auch eine erste Gefahr für die sonst so stabile amerikanische Demokratie, weil sie mehr und mehr „Protestwähler“ auf den Plan ruft, Männer und Frauen also die nicht mehr hinter „ihrem“ Mann oder „ihrer“ Frau stehen, die sie gewählt haben.
Quellen:
http://www.welt.de/data/2006/10/27/1089171.html
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6047788_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html