Wie tief steckt Team Telekom im Doping-Sumpf?
“T-Mobile will Neuanfang”, “Uni entlässt Doping-Ärzte”, “Bölts tritt zurück”, “Ullrich schweigt noch!” so titulierte die deutsche Presse den Doping-Skandal rund um das Team-Telekom. Doch auch nach der spektakulären Pressekonferenz am 24. Mai 2007 blieben noch viele Fragen offen. Waren es wirklich nur die Fahrer selbst und individuell oder war im Team Telekom Doping ein Teil des Systems? Hierzu äußerten sich Erik Zabel und Rolf Aldag nicht konkret. Erik Zabel mit Tränen in den Augen und Rolf Aldag setzten vor der gesamten Presse in Bonn die Reihe der “reuigen Sünder” fort und bekannten sich zum Epo-Missbrauch Mitte der 1990-er Jahre vor allem während der Tour de France.
“Wir entschuldigen uns bei allen, die wir getäuscht und belogen haben. Wir waren Gefangene des Systems und unseres Denkens”, erklärte Rolf Aldag praktisch im Namen aller, die sich geoutet haben. Welches System Rolf Aldag meinte blieb jedoch offen. “Wir gingen davon aus, dass es alle machten und dass das Risiko gering war, überführt zu werden”, sagten die beiden Betroffenen.
Am Abend zuvor hatte sich bereits Jan Ulrichs Edelhelfer Udo Bölts geoutet, wie es Bert Dietz und Christian Henn bereits getan hatten. Aldag und Zabel betonten einhellig, dass alles sehr intim ablief und deshalb niemand wisse ob auch Jan Ullrich gedopt habe. Der aber schweigt und hat wegen bestimmten Äußerungen seinem Anwalt Diestel das Mandat entzogen. Und auch der Chef des dänischen CSC-Teams Bjarne Riis gab am 25. Mai zu, dass er 1996 im Trikot von Team Telekom mit Epo die Tour gewonnen hatte.
Der überraschende Auftritt von Erik Zabel war eine Sensation, denn er war der erste noch aktive Radrennfahrer der ein Doping-Vergehen gestand. Seine sportliche Zukunft ist im Moment noch ungewiss, dass er aber an den Weltmeisterschaften in Stuttgart teilnehmen wird, ist nach Aussagen vom Radfahr-Präsidenten Rudolf Scharping eher nicht möglich.
Überraschend war aber die Ankündigung, dass Rolf Aldag weiterhin als T-Mobile- Sportdirektor tätig sein kann. Dies wurde von DOSB-Präsident Thomas Bach heftig kritisiert und er brachte es auf den Punkt: “Die Geständnisse waren menschlich bewegend, sachlich aber noch immer nicht ausreichend!”
Doch noch hat sich keiner der damaligen Sportfunktionäre vom Team Telekom geäußert, deshalb ist noch mit vielen Überraschungen zu rechnen.
Quellen:
http://sport.msn.de/msn/generated/article/radsport/2007/05/25/6533100000.html
http://sport.ard.de/sp/radsport/news200705/25/beratungen_zu_zabels_zukunft.jhtml