Virales Marketing im Internet
Wer es in die Medien geschafft hat, der braucht sich über Werbung keine Gedanken mehr zu machen. Die Medien sind Selbstläufer in Sachen Verbreitung und Bekanntmachung. Das ist ihre Aufgabe, und im besten Fall leisten sie damit Sinnvolles, tragen bei zur Verbreitung von Nachrichten und dem Verstehen der Welt. Investigative Journalisten decken Dinge auf, die andere lieber nicht aufgedeckt sehen wollen. Dadurch erhöht der Journalismus die Transparenz und bietet Willkür die Stirn. Es ist Teil der journalistischen Ethik, Quellen offen zu legen, alle Seiten zu hören und Informationen wertfrei und ungefiltert wiederzugeben. Das ist die eine Seite der Medien-Medaille.
Die andere Seite: Die Medien als Multiplikator für Inhalte, die einer breiten Öffentlichkeit bewusst gemacht werden sollen. Wie zum Beispiel Werbung. Wer im Fernsehen wirbt, zur “Prime Time”, erreicht mit seiner Botschaft Millionen von Zuschauern und potenziellen Kunden. Doch Fernsehwerbung ist teuer. Was liegt da näher, als auf das Internet umzusteigen? Dort braucht es lediglich eine pfiffige Idee, um Inhalte zu verbreiten. Wie das “virale Marketing”. Diese Marketing-Form nutzt Netzwerke, um Produkte zu lancieren, indem sie Internet-Kampagnen startet, die sich wie ein Virus ausbreiten. Ein gutes Beispiel dafür ist das Moorhuhn-Spiel, ehemals ein Marketing-Gag der Firma Johnnie Walker.
Das witzige Spiel war durch Mundpropaganda bald jedem bekannt. Ein wahres “Moorhuhn-Fieber” breitete sich in Windeseile aus. Seit neuestem kursiert im Internet ein spektakulärer Motorrad-Stunt. Der Held: Ron Hammer. Was wie ein realer Videofilm anmutet, ist in Wirklichkeit eine groß angelegte Marketing-Kampagne der Baumarkt-Kette Hornbach. Das Fatale dabei: Der Motorrad-Stunt wird als reales Ereignis verkauft. Das Deutsche Sport Fernsehen (DSF) berichtete gar über Ron Hammer. Damit hat virales Marketing Einzug gehalten in die Medienwelt des Fernsehens.
Der journalistische Anspruch, redaktionelle Inhalte und Werbung zu trennen, wurde damit hinfällig. Virale Marketingkampagnen wie “Ron Hammer” sind so ein Schlag ins Kontor der journalistischen Ethik und Unabhängigkeit. Die Grenzen zwischen objektiver journalistischer Berichterstattung und industriegespeister Werbeinhaltsvermittlung verwischen zusehends. Mit journalistischer Transparenz und Seriosität hat der Fall “Ron Hammer” nichts mehr zu tun.
Quellen: http://www.ard.de/kultur/sonstiges/der-fall-ron-hammer/-/id=171948/nid=171948/did=475474/1m8nu8z/index.html
www.wikipedia.de, “Virales Marketing”